Eigentlich habe ich weder die Zeit noch die Lust andauernd das gleiche zu dem Thema zu schreiben. Ich habe mich jetzt trotzdem entschlossen nochmal einmal ganz ausführlich die Zusammenhänge zu erklären und hoffe das dann Ruhe einkehrt.
Was ich zu PIaggio schreibe entstammt einem Plausch mit einem sehr freundlichen und kompetenten Werkstattmeister von Piaggio noch vor der Jahrtausendwende, der Rest ist allgemeiner Maschinenbau.
Die Anbindung der Vario an die Kurbelwelle ist eine rein kraftschlüssige Verbindung was heißt, daß das durch die Klemmkraft der Mutter erzeugte Moment immer größer sein muß als das im System erzeugte Drehmoment. Falls nicht rutscht es durch und wird dann von der Verzahnung zur Kurbelwelle gestoppt. Die ist dafür nicht ausgelegt und verschleißt (Lastwechsel) sehr schnell, was zu den bekannten Schäden führt.
Die Klemmkraft muß also möglichst konstant gehalten werden, was durch Setzten der Verschraubung, Temperaturdehnungen, Vibrationen, Lastwechselmomente usw. nur durch eine möglichst weiche Anbindung erzielt werden kann.
Zum Verständnis: Stell dir mal zwei Zugfedern vor, die eine sehr hart, die andere weich. Beide sind auf die gleich Kraft vorgespannt. Jetzt bewegst du einen Einhängepunkt nur ein wenig: Die harte reagiert mit einer großen Kraftveränderung, die weiche nur mit einer sehr kleinen.
Piaggio hat deshalb eine "Spezialmutter" für die Varioanbindung konstruiert, deren "Kragen" die notwendige Feder darstellt. Schau dir mal eine KFZ-Druckplattentellerfeder an zum Verständnis des grundsätzlichen Prinzips.
Zusätzlich wollte Piaggio die Konstruktion möglichst stabil im optimalen elastischen Federbereich halten und hat hierzu noch den "Funktionstrick" einer Dehnschraube auf die Mutter übertragen (ganz simpel erklärt: Wird beim anziehen plastisch gedehnt und federt dann in den elastischen Bereich zurück und stellt so den optimalen Betriebsbereich ein, ist auch leicht zu googeln).
Der eigentliche Kniff liegt also in der äußerst durchdachten Konstruktion der Mutter.
Die Dehnmutter heißt also Dehnmutter weil es eine Dehnmutter ist, die äußert clever die Funktionsweise einer Dehnschraube auf eine Mutter überträgt.
Um die Funktion auch im Servicefall zu gewährleisten schreibt Piaggio vor, immer genau die freigegebene Teilnummer einzubauen. Zusätzlich muß die mit dem genau vorgeschriebenen Drehmoment gespannt werden, um das Federsystem in den richtigen Betriebspunkt zu bringen. Die Dehnmutter ist auch nach dem anziehen dann auszuwechseln da sie dann schon "gedehnt" ist, alles analog zur Dehnschraube.
Noch frohe Ostern